Delegiertenversammlung des Kreisjagdverbandes Rügen

Ostsee Anzeiger 20. April 2011 von Andreas Pfaffe
Nationalpark-Jagdverordnung stößt weiter auf Unverständnis.

Juliusruh (apf). „Jagd ist aktiver Naturschutz" - das wurde am vergangenen Samstag während der diesjährigen Delegiertenversammlung des Kreisjagdverbandes Rügen e.V., der derzeit 445 Mitglieder zählt, am 9. April im „Freizeitcamp Am Wasser" in Juliusruh selbst Laien deutlich.

Als Gäste begrüßte Holger Nebel, Vorsitzender des Kreisverbandes, neben den Delegierten der Hegeringe auch Rügens Landrätin Kerstin Kassner, den Landrat von NVP Ralf Drescher, den Wildtierökologen Dr. Jürgen Goretzki vom Johan Heinrich von Thünen Institut Eberswalde, Burkhard Lenz (CD), MdL und stellvertretendes Mitglied des Agrarausschusses des Landtages), Dr. Peter Jungmann als Vizepräsident des Landesjagdverbandes, Walter Lonskowski vom Kreisbauernverband Rügen e.V., Hannjörg Abeler als Vertreter der Wildschadensausgleichskasse, Kreisjägermeister Ulrich Mielke, Volker Schauer, Hegegemeinschaftsvorsitzender Rot und Damwild Rügen, Prof. Dr. Axel Siefke, „nicht nur als Ehrenmitglied sondern immer mehr als wissenschaftlichen Zuarbeiter im Unruhestand des KJV und LJV" sowie Ingo Reichelt als Vertreter des KJV Nordvorpommern und Dr. Ingolf Stodian als kommissarischer Dezernatsleiter des NLP Jasmund.
„Jäger sind verbündete der Natur, praktizierende Naturschützer", so Ralf Drescher in seinem Grußwort. „Wir müssen öffentlich deutlicher klarstellen, wie groß ihre Leistungen für unsere Gesellschaft sind. Unsere Behörden und die Jäger haben das gemeinsame Ziel: einen gesunden Wildbestand."
Das erntete großen Beifall bei den Delegierten, denn nicht überall in der Politik scheint diese Erkenntnis so vorzuherrschen. Weiterhin führte Landrat Drescher aus, dass auch der Kreis NVP versucht habe die neue Nationalpark Jagd -VO zu verhindern. Für den Fall des künftigen Großkreises sprach er sich für den Erhalt der Unteren Jagdbehörde in Bergen als eine von mehreren Außenstellen im Kreis aus. Ebenso plädiert er für den Erhalt der Wildschadensausgleichskassen in jetziger Form.

Quo vadis Jagd? - Rügener Jäger in Sorge um Rahmenbedingungen der Hege

In seinem Bericht wurde Holger Nebel deutlich. „Das vergangene Jahr war geprägt durch Sitzungen, Stellungnahmen und nochmals Sitzungen. Leider konnten die vielen sachlichen Argumente der Jägerschaft im Ministerium und auch im Kreis Rügen bisher nicht umgesetzt werden. Es stellt sich die Frage ob und wie wir die an uns gestellten Aufgaben künftig erfüllen werden. Die heutige Jagdausübung tendiert mehr und mehr zur Schutzaufgabe von land- und forstwirtschaftlichen Flächen sowie baulichen Anlagen als zur Ausübung einer leidenschaftlichen Passion. Vor der Zunahme der Produktion von Biomasse sind auch wir nicht ausgenommen. Wenn die bisherige Jagdausübung nun auch noch durch diverse Verordnungen und Schutzgebietsverordnungen in erheblichem Maße eingeschränkt wird, kommen mächtige Probleme auf uns zu."

Prof. Dr. Axel Siefke untermauerte dies. „Wild ist herrenloses Gut und im Land haben die Jäger die gesamtgesellschaftliche Aufgabe, das Wild zu hegen. Das funktioniert gut - auf Grund der Passion zum Jäger und auch deshalb, weil der Jäger Geld einsetzt wie für die Pacht, Jagdausübung oder Wildschadenausgleich. Aber letztendlich bedeutet dies doch, dass wir als Jäger diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe allein bezahlen ..."
Um so unverständlicher seien dann immer neue Reglementierungen seitens der Politik. Prof. Siefke an diese: „Wenn Sie Schädlingsbekämpfung wollen, dann müssen Sie den Schädlingsbekämpfer bestellen und schließlich auch bezahlen."
Immer wieder war es die neue Nationalpark-Jagdverordnung aus 2010, die auf Unverständnis bei den Jägern stieß.
Dr. Peter Jungmann, Vize- präsident des Landesjagdverbandes, gab zudem zu bedenken, dass der Landesjagdverband bei der Erarbeitung dieser Verordnung zwar sein Statement eingereicht habe, welches aber in keiner Weise Berücksichtigung gefunden hat. Deshalb forderte Volker Schauer, Hegegemeinschaftsvorsitzender Rot und Damwild Rügen, die „Sicherstellung des Mitspracherechtes bei allen Belangen, die in Zusammenhang mit der Natur stehen. Schließlich ist der Jagdverband einer der größten anerkannten Naturschutzverbände."
Das zunehmende Monokulturen wie Raps und Mais, als nachwachsende Rohstoffe für zunehmend mehr Biogasanlagen entscheidende Veränderungen im Lebensraum des Schwarzwildes mit sich bringen, unterstrich Kreisjägermeister Ulrich Mielke. Berücksichtige man dann noch die zeitlichen Regulierungen zur Bejagung von Schwarzwild, dann sei fraglich, ob man der laut Jagdgesetz festgelegten Verantwortung noch nachkommen könne, ohne dass der Wildschadenausgleich zum Greifen käme. Er würde es begrüßen, wenn junge Menschen, die in der Landwirtschaft ausgebildet werden, zugleich als Jäger ausgebildet würden. Einerseits, um den Nachwuchs zu sichern, andererseits, um gemeinsam Problemlösungen zu finden.
Hannjörg Abeler von der Wildschadensausgleichskasse ( eine Solidarkasse in die alle Jagdpächter einzahlen, Anm. der Redaktion) bestätigte in seinem Bericht dass nahezu alle festgestellten und regulierten Schäden durch Schwarzwild verursacht wurden.
„Wir brauchen ein ökologisches Realitätsdenken", so Dr. Jürgen Goretzki. „Wir dürfen auf der einen Seite nicht kostenaufwändigen Artenschutz betreiben und auf der anderen Seite darauf hoffen, dass sich manches selbst klärt. Das wird so nicht eintreten." Weiterhin rief er die Jägerschaft zu aktiver Mitarbeit bei der seit 1989 ? auf Rügen jährlich durchgeführten Fuchsforschung auf.
Dr. Ingolf Stodian, kommissarischer Leiter des Nationalparkes Jasmund, stieß in seinem Redebeitrag eine Tür auf: Wir müssen sehen, ob wir mit der Nationalpark-Jagdverordnung leben können. Und wir müssen dabei aufeinander zugehen. Im Kerngebiet gilt die strikte Umsetzung der Verordnung. In Grenzbereichen sollten wir versuchen, die Probleme moderat zu lösen."
Für die Lösung der existenziellen Probleme wird sich auch Burkhard Lenz im Arbeitskreis Landwirtschaft des Landtages M-V einsetzen. „Wir werden uns kurzfristig mit dem Arbeitskreis vor Ort ein Bild von der Tauglichkeit der neuen Nationalpark-Jagdverordnung machen." Diese wurde im Landwirtschaftsministerium von Til Backhaus ( SPD) erarbeitet und nicht im Landtag diskutiert.