Schutz der Natur ist Grundlage der Jagd

OSTSEE-ANZEIGER vom 23.03.2011 Zähltreiben: Wildbestand im Nationalpark Jasmund ist dem Lebensraum angepasst.

Sassnitz (apf). Am Samstag, 26. Februar, fand nach wetterbedingter Pause im vergangenen Jahr das Zähltreiben der Hegegemeinschaft Rot- und Damwild Rügen in Zusammenarbeit mit dem Nationalparkamt erneut statt. Das lediglich auf Jasmund durch unbewaffnete Jäger praktizierte Treiben dient, zusammen mit dem Wildwirkungsmonotoring, der Erkenntnis zur Bestandsentwicklung des Damwildes im Nationalpark Jasmund.
Erstmalig hat auch die interministerielle Arbeitsgruppe Jagd in Nationalparks teilgenommen. Nun liegen die Ergebnisse der Zählung vor und dient damit unter anderem als Grundlage zur Festlegung der Abschusspläne. Was der Nichtjagenden Bevölkerung neu sein dürfte; jedes zu erlegende Stück Schalenwild wie Rotwild, Damwild und auch Rehwild wird im Vorfeld durch die Behörde in Form von Abschussplänen festgelegt.
Wurden am 7. März 2009 im 297 Stück Damwild gezählt, so waren es am 26. Februar 2011 255 Stück, was darauf schließen lässt, dass sich das Damwild in seinem Bestand auf gleicher Höhe erhalten hat. Als Nebenergebnis: Beim Rotwild wurden 2009 45 Stück und 2011 25 Stück gezählt, beim Schwarzwild stehen 25 aus 2009 zu Buche und 20 in diesem Jahr. Rehwild konnte 2009 ein Stück beim Zähltreiben gezählt werden und 2011 6 Stück. Die gezählte Zahl der Füchse ist mit 3 identisch geblieben.
Prof. Dr. Axel Siefke, stellvertretender Vorsitzender der Hegegemeinschaft Rot- und Damwild Rügen, kommentiert das Ergebnis so: „Auch wenn das Zähltreiben nur einen Teil des Wildbestandes erfasst und der tatsächliche Bestand höher ist, sehen wir uns mit unserer Einschätzung der Bestandsentwicklung bestätigt. Die Zahlen sind zu 2009 annähernd gleich geblieben. Damit dürften überhöhte Abschussforderungen nun endgültig vom Tisch sein." Noch im vergangenen Jahr bemängelten Vertreter des Nationalparkes verstärkte Verbisschäden durch Reh- und Damwild und forderten höhere Abschusszahlen.
Holger Nebel, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes, stellt heraus, dass ein gewisser Verbiss ein nicht unüblicher und auch im Nationalpark natürlicher Prozess sei. Auch ist die Höhe des Verbisses kein Indikator für die Höhe eines Bestandes, vielmehr ist das Äsungsangebot in Feld und Flur des Lebensraumes entscheidend. Wild hält sich nicht an Grenzen von Nationalparks und anderen Wäldern. Schließlich trägt der Nationalpark „zur Bewahrung der Schöpfung und der natürlichen Artenvielfalt bei und schafft Rückzugsgebiete für wildlebende Pflanzen und Tiere", wie es im Schutzgebiete-Portal des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V zu lesen ist.
„Der Schutz der Natur ist heute eine der Grundlagen der Jagd. Jäger zu sein, ist mit der Verpflichtung dazu verbunden. Naturschutz, als Schutz von Tieren und Pflanzen verstanden, ist in erster Linie Schutz der Lebensräume. Als anerkannter Naturschutzverband stellen sich die Jäger des Landkreises Rügen in eine Front mit allen darum Bemühten", so Holger Nebel.
„Oberste" Aufgabe der Jäger ist die freilebende Tierwelt als wesentlichen Bestandteil der Natur in ihrer natürlichen Umwelt in ihrer Vielfalt zu bewahren. „Die Hege ist eine gesellschaftliche Aufgabe und hat die Nachhaltigkeit der Vorkommen an heimischen Wildtierarten zu gewährleisten" (Präambel Landesjagdgesetz. Weiter heißt es im Landesjagdgesetz § 1: Das Gesetz dient dazu, „einen artenreichen und gesunden Wildbestand in einem ausgewogenen Verhältnis zu seinen natürlichen Lebensgrundlagen als besonderen Landesreichtum zu erhalten." Die Hege mit der Büchse hat mit der oft unterstellten Trophäenjagd nichts gemein und macht dabei die wenigste Zeit aus.
Die Hegegemeinschaft Rot-und Damwild Rügen führt auch in diesem Sinne am Donnerstag, 7. April, von 18 bis 21 Uhr im Freizeitcamp „Am Wasser" in Juliusruh ihre diesjährigen Mitgliederversammlung und Hegeschau durch.
Die Delegiertenversammlung des Kreisjagdverbandes Rügen e.V. findet dann am Samstag, 9. April, ab 9 Uhr an gleichem Ort statt.