Harte Kritik des Vorsitzenden des Kreisjagdverbandes

OSTSEE-ANZEIGER Anweisung für das Wildmanagement auf landeseigenen Grundflächen in den Nationalparken in M-V.
OSTSEE-ANZEIGER · 12. Mai 2010 (Wolfgang Urban)
Rügen. Holger Nebel, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Rügen e.V., hat in einem Schreiben an Rügens Landrätin und die Bürgermeister der an den Nationalpark Jasmund angrenzenden Gemeinden betont, dass er sich verpflichtet fühlt, sie über die möglichen Konsequenzen der neuen, rückwirkend zum 1. April in Kraft getretenen „Jagdmanagement- Anweisung" für die Nationalparke in Mecklenburg-Vorpommern zu informieren. Im Schreiben werden schwere Vorwürfe erhoben und begründet. So ist darin zu lesen: „Leider haben die vielen fachlich versierten Stellungnahmen in Schwerin keinerleiWirkung gezeigt; stattdessen bedient man sich nun der nicht anhörungspflichtigen Management-Anweisung (ehemals Jagdnutzungsanweisung). Für den NLP Jasmund bedeutet dies, dass ab sofort vom 11.1. an Jagdruhe bis Ende Juli herrscht; lediglich Schmalrehe und Böcke dürfen vom 1.5. bis zum 15.6. bejagt werden. Die Bejagung von Marderhunden, Füchsen und Schwarzwild muss unterbleiben, sollten diese zufällig vorkommen. Ich halte dies für grob fahrlässig. Wie ihnen bekannt sein dürfte haben wir auf Jasmund eine besorgniserregende Strecke von Marderhunden zu verzeichnen. Diese sind überwiegend an bei Kontakt übersiedelnden Räude-Milben befallen; ebenso können diese Staupe, Trichinen Tollwut, Fuchsbandwurm etc. übertragen. Die Wirkung dieser Spezies als Allesfresser ohne natürliche Feinde wird sich leider auch auf Amphibien auswirken, deren Bestand ohnehin rückläufig ist." Nach dem Benennen von Fakten zur besorgniserregenden Bestandsentwicklung der Marderhunde, macht der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes die kommunalen Verantwortungsträger, darauf aufmerksam, dass das Schwarzwild derzeit zwar keine „Problemwildart" auf Jasmund sei, allerdings könne der Bestand dieser reproduktionsfreudigen Art schnell anwachsen und zu Schäden in der Landwirtschaft sowie im schlimmsten Fall zum Ausbruch von Schweinepest führen. Erklärend fügt er hinzu: „Die besten Voraussetzungen zur Bejagung hat man in der vegetationsarmen Zeit im Herbst/Winter und im Frühjahr, wenn die Bachen die Jungen vom Vorjahr abschlagen und diese ohne Führung bei Zeiten ,umherstreunen'. Auch Schneelage ist bei der Bejagung sehr hilfreich. Die nun vom Ministerium anberaumte Jagdruhe ab dem 11. Januar sowie das Verbot von Kirrungen wird die Strecke erheblich mindern (das meiste Schwarzwild und auch Marderhunde kommen an Kirrungen zur Strecke!). Dies ist unverantwortlich und steht im krassen Widerspruch zum erlassenen Schwarzwildpapier durch Minister Backhaus (... Schwarzwild so effektiv wie möglich bejagen...). Meiner Meinung nach muss das Landwirtschafts- Ministerium die Verantwortung für mögliche Schäden in der Landwirtschaft sowie möglicherweise auftretende Seuchenzüge übernehmen..." zur „Jagdmanagement-Anweisung" betont Holger Nebel abschließend: „Leider wurde diese Anweisung mehrheitlich durch eine mit jagdlichem Halbwissen ausgestattete Arbeitsgruppe erarbeitet deren Hauptanliegen der Schutz der Bäume vor ,verbeißendem' Schalenwild wie Dam-, Rot-, und Rehwild ist. Der über die Nationalpark- Grenzen möglicherweise eintretende Schaden, auch touristischer Natur, wird billigend in Kauf genommen."
Wolfgang Urban