Wildschweine im Schutzgebiet: bessere Schuss-Sicht für Jäger

Ostseezeitung vom 31.07.09 Um das Schwarzwild besser bejagen zu können, sollen im Biosphärenreservat Südost-Rügen Schuss-Schneisen angelegt werden.

Baabe Wie im ganzen Land so ist auch auf Rügen seit Jahren ein deutliches Anwachsen des Schwarzwildbestandes zu verzeichnen. Vor allem im Biosphärenreservat Südost-Rügen fühlen sich die Wildscheine wohl und vermehren sich dramatisch. Weil sie im Schutzgebiet ideale Lebensbedingungen vorfinden, weiß Holger Nebel, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Rügen. Üppige Fressangebote gibt es auf den Mais- und Rapsfeldern und in den naturbelassenen Schilfbereichen, die zudem einen guten Schutz für die Tiere bieten. 80 Prozent der Schwarzwildschäden auf der Insel werden allein im Bereich des Biosphärenreservates registriert. Die Wildschäden haben sich in den letzten drei bis fünf Jahren verdoppelt. Etwa 10 Prozent Ernteverlust haben die Bauern in diesem Bereich mittlerweile zu beklagen, beziffert Matthias Kind, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Zirkow, das Ausmaß.

Zu Stoßzeiten, wie beispielsweise im Mai, wenn der Mais gelegt wird, sind die Jäger mitunter täglich auf der Lauer, so Jäger Nebel. 30 bis 40 Hektar Acker bewachen zu müssen m das sei schon ein richtiger Job.

Die 54 Jäger des Hegeringes Süd-Ost haben alle Hände voll zu tun, die schlauen Tiere zur Strecke zu bringen. Rund 675 Wildschweine haben die Jäger in diesem Bereich im vergangenen Jagdjahr erlegt, weiß der für diesen Hegering zuständige Jäger Christian Höft. Wie von Rüdiger Jurrat von der Unteren Jagdbehörde des Landkreises zu erfahren ist, waren es im Vorjahr noch 532. Auf ganz Rügen sind im letzten Jahr 3200 Wildschweine geschossen worden, im Jahr davor 2734. Ziel sei keinesfalls die Ausrottung dieser zur Kulturlandschaft gehörenden Tiere, sondern die Dezimierung des Zuwachses, betont Jäger Höft. Also des Nachwuchses. Schließlich könne eine Bache durchaus bis zu neun Frischlinge bekommen. Der Schwerpunkt der Jagd liegt im Abschuss von Frischlingen und Überläufern. Der Bestand soll auf ein für alle Beteiligten erträgliches Maß herabgesetzt werden. Das wird noch zwei bis drei Jahre dauern, schätzt Jäger Höft.

Neben den massiven Wildschäden auf landwirtschaftlichen Flächen richten die Tiere auch an Hochwasserschutzdeichen und in den Vorgärten der Mönchguter reichlich Unheil an. Zudem erfordert die Gefahr, dass Tierseuchen wie die Schweinepest ausbrechen könnten, eine Reduzierung des Schwarzwildbestandes. Um über das weitere Vorgehen und die notwendigen Maßnahmen zur besseren Regulierung der Schwarzwildbestände zu beraten, haben sich erstmals Vertreter der Biosphärenreservatsverwaltung, der Unteren Jagdbehörde, des Kreisjagdverbandes, des Kreisbauernverbandes und einige Landwirte in dieser Woche in Baabe an einen Tisch gesetzt. Hauptgegenstand der Gesprächsrunde: ein Antrag des Kreisjagdverbandes. Um die Wildschweine effektiver bejagen zu können, sollen in ausgewählten Schilfröhrichten des Schutzgebietes so genannte Schuss-Schneisen angelegt werden. Die etwa 15 bis 20 Meter breiten Schneisen sollen da gezogen werden, wo feste Wechsel stattfinden. Und am besten so schnell wie möglich, damit die Wildschweine sich daran gewöhnen und sich in Sicherheit wähnen, wenn im November die Jagd auf sie beginnt. "Das war top. Große Freude bei den Jägern", kommentiert Holger Nebel das Ergebnis der Beratung.

Zunächst wurde vereinbart, dass die Jäger ihre Vorstellungen über die Schneisen bis Mitte August darstellen. Schnell und unkompliziert sollen dann die Belange des Arten- und Biotopschutzes durch die Biosphärenratsverwaltung geprüft werden, so Mitarbeiter Stefan Woidig. "Bei positiver Entscheidung könnte es gelingen, noch im Spätsommer die ersten Schuss-Schneisen anzulegen." Deren Wirksamkeit soll durch ein Monitoring begleitet werden. Die Jäger werden dazu die Anzahl der erlegten Tiere auflisten, so Woidig. Die Jagd soll von November bis März eines jeden Jahres erfolgen.

GERIT HEROLD