Rügener Jäger wollen mit Jagdverband Vorpommern fusionieren

Ostsee Anzeiger 04. April 2013 von Andreas PfaffeRügen (apf).
Am 23. März tagte der Jagdverband Rügen turnusgemäß im Freizeitcamp Juliusruh. Im Rahmen der diesjährigen Delegiertenversammlung der 460 Rügener Weidgenossen wurde auch ein Beschluss gefasst, der besagt, dass Fusionsgespräche mit dem Kreisjagdverband Vorpommern aufgenommen werden sollten. Dieser Beschluss wird von 99 Prozent der Stimmberechtigten Anwesenden getragen.
Holger Nebel, Vorsitzender des Jagdverbandes Rügen, sagte dazu in seinem Rechenschaftsbericht, dass es zielführend und notwendig sei, die Jagdverbände von Vorpommern und Rügen zusammenzuführen und die Kompetenzen zu bündeln. „Auch der Vorpommersche Vorstand hat dies erkannt und es gab in der vergangenen Woche ein erstes Treffen, um ein gemeinsames Vorgehen zu besprechen. Wir werden in naher Zukunft die Vor- und Nachteile abwägen; es kann zur nächsten Versammlung der Delegierten bereits zu einer Fülle von Anträgen zu Satzungsänderungen kommen, da bin ich mir sicher. Auch haben wir im kommenden Jahr Wahlen, der Zeitpunkt der Zusammenlegung oder die Gründung eines übergeordneten Kreisjagdverbandes Vorpommern- Rügen ist in meinen Augen möglich und sinnvoll."
Nebel verlas auch das Grußwort des Landrates Ralf Drescher an die Delegierten. Darin würdigte der Landrat die hier geleistete Arbeit: „Danke für die durch die Jägerschaft geleistete und nicht mit anderen Hobbys vergleichbaren Leistungen. Genannt seien an dieser Stelle Biotoppflege, Fallwildbeseitigung sowie die gesamtgesellschaftliche Aufgabe der Hege eines artenreichen und gesunden, der Kulturlandschaft angepassten Wildbestandes."
Neben Themen wie die strittigen Jagden im Müritz-Nationalpark, wo mittlerweile ein gebündeltes Ordnungswidrigkeiten- Verfahren sowie ein Ministeriumsinternes Disziplinarverfahren wegen mehrerer Verfehlungen gegen den Jagdleiter angelaufen ist, stand auch die Diskussion zur beabsichtigten Umstellung auf Bleifreimunition auf der Tagesordnung.

Jäger fordern messbare Kriterien für Wirksamkeit von Jagdmunition

„Zu guter Letzt möchte ich kurz auf die Bleifreidiskussion eingehen", so Holger Nebel. „Dass der Eintrag von Blei in ein Nahrungsmittel nicht gesund sein kann ist wohl jedem klar. Verantwortungsvolle Jäger nehmen auch aktuelle Studien zur Kenntnis. Es geht in erster Linie um vermeidbaren Bleieintrag in das Nahrungsmittel Wild. Den zum Teil höheren Eintrag von Blei durch Grünfutter bei Rindern zum Beispiel kann der Gesetzgeber nicht verhindern.
Ich spreche mich nicht gegen bleifreie Munition aus. Ich erwarte jedoch, das alle Parameter, vor allem die tierschutzgerechte Tötungswirkung, geklärt sind, bis ich durch eigene Überzeugung wechseln werde.
Die Positionen des DJV finden dabei meine volle Unterstützung."
In einer Information teilte der Deutsche Jagdschutzverband am 20. März 2013 unter dem Titel „Jäger fordern messbare Kriterien für Wirksamkeit von Jagdmunition - Bundesweite Rahmenbedingungen für Einsatz bleifreier Geschosse unzureichend" mit:
„Alle(s) Wild?" hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) auf seinem zweitägigen Fachsymposium zum Thema Blei im Wildbret gefragt. Vertreter der Wissenschaft haben geantwortet - so gut es die Faktenlage zu ließ. Das Fazit des Deutschen Jagdschutzverbands (DJV): Es sind noch gravierende Fragen offen.
„Nach den vorliegenden Teilergebnissen des Lebensmittelsicherheitsprojektes müssen wir allerdings verstärkt über bleifreie Alternativen bei Büchsenmunition nach denken", fasste DJV Vizepräsident Dr. Wolfgang Bethe am Ende des Symposiums zusammen. Die BfR- Wissenschaftler haben insbesondere in Nähe des Schusskanals teils deutlich erhöhte Bleigehalte nachgewiesen. Aus Sicht des Verbraucherschutzes sollte ein Bleieintrag in Lebensmittel mit vertretbaren Maßnahmen verhindert werden. Der DJV empfiehlt Jägern, die Bleimunition nutzen, den Schusskanal über sichtbare Hämatome hinaus großzügig zu entfernen.
Für die künftige Aus- und Weiterbildung der Jägerinnen und Jäger schlägt der DJV neue Richtlinien vor: „Das Fach Wildbrethygiene sollte ein Sperrfach in der Jägerprüfung werden", sagte Dr. Bethe. „Wir Jäger produzieren ein hochwertiges Lebensmittel. Wer Wildkrankheiten oder Organe nicht erkennt, der sollte genauso durch die Prüfung fallen wie jemand, der eine Waffe falsch bedient."
Experten aus verschiedenen Fachbereichen haben während des BfR-Symposiums aufgezeigt, dass neben der Lebensmittelsicherheit auch Tierschutz, Umweltschutz und Sicherheit bei der Jagd entscheidende Kriterien für Jagdmunition sind. Die Abwägung der Faktoren ist eine politische Entscheidung und muss wissensbasiert passieren. Dies ist aus Sicht des DJV derzeit noch nicht möglich. Zudem müssen die Rahmenbedingungen für den Einsatz alternativer Munition bundesweit geschaffen werden. Bethe betonte: „Wir brauchen messbare Kriterien für die Wirksamkeit von Büchsenmunition und zwar unabhängig vom Material."
Die bisherigen Vorgaben für Geschosse von 2.000 Joule Energie auf 100 Meter scheinen nach neusten Erkenntnissen für das tierschutzgerechte Töten nicht ausreichend zu sein und sollten laut DJV überdacht werden. „Unsere Jäger dürfen nicht gezwungen sein, ihre Munition an Wild zu testen. Schließlich ist Tierschutz im Grundgesetz verankert."
Ergebnisse des Symposiums haben gezeigt, dass nicht jede Munition, die am Markt käuflich zu erwerben ist, auch jagdlich geeignet ist.
Die Deutsche Versuchs- und Forschungsanstalt für Jagd- und Sportwaffen (DEVA) hat Ergebnisse vorgestellt, die nahe legen, dass herkömmliche Jagdbüchsen und alternative Munition jeweils aufeinander abgestimmt werden müssen. „Dies muss auf dem Schießstand passieren", so Bethe.
Allerdings erfüllen laut DEVA eine Vielzahl von Ständen die sicherheitstechnischen Voraussetzungen für bleifrei e Munition derzeit nicht.
Der DJV fordert deshalb die Länder auf, die Schießstände den neuen Anforderungen anzupassen, und zwar bundesweit einheitlich. Die Finanzierung darf nicht auf die Jäger abgewälzt werden. Solange nicht flächendeckend geeignete Schießstände vorhanden sind, darf es keine politisch verordnete Umstellung auf bleifreie Munition geben.