Zeitumstellung & Wildunfälle

Wildunfallrisiko steigt mit Zeitumstellung/ Rehe wechseln häufiger Straßenseite.

(Nipmerow, 22. März 2012). Der Frühling beflügelt - den Menschen, der im Straßencafé mit dem ersten Eis der Saison liebäugelt. Und das Rehwild, das auf das satte Grün am Straßenrand schielt. Berechtigterweise, immerhin haben die Tiere die vergangenen Monate gefastet - der Hunger ist groß. Doch darin besteht eine tödliche Gefahr. Das Wild ist in diesen Tagen verstärkt auf unserer Insel unterwegs und wechselt häufig die Straßenseite auf der Suche nach dem saftigsten Futter. Hinzu kommt die Umstellung auf die Sommerzeit. Abrupt fallen morgendlicher Berufsverkehr und Dämmerung zusammen. Damit steigt das Risiko für Wildunfälle schlagartig, denn Rehe sind besonders in den frühen Morgenstunden verstärkt unterwegs. Der Kreisjagdverband Rügen appelliert an alle Autofahrer, besonders an Wald- und Feldrändern aufmerksam zu sein. „Das ist wie eine Straße durch die Wohnung". Ein Wechsel vom Schlafzimmer, den Wald, auf die Wiese, das Esszimmer, sei dann eine tödliche Gefahr. Denn das Auto ist beim Wild als natürlicher Feind nicht einprogrammiert.
Rehe verursachen 90 Prozent der Unfälle. Das geht aus der aktuellen DJV-Wildunfall-Statistik hervor. Jedes Jahr kommen auf der Insel Rügen ca. 650 Stck Wild durch Verkehrsunfälle ums Leben.Bei jedem vierten Unfall ist Wild beteiligt. Die Unfallfolgen sind für Autofahrer nicht minder schwer: Ein Zusammenstoß mit einem 80 Kilogramm schweren Wildschwein bei Tempo 50 bedeutet ein Aufprallgewicht von etwa zwei Tonnen.
Ein Grund für das hohe Unfallrisiko ist die rasant steigende Verkehrsdichte. Seit 1975 hat sich das Verkehrsaufkommen in Deutschland nahezu vervierfacht: Auf Autobahnen stieg die Zahl der Fahrzeuge pro 24 Stunden auf mehr als 48.000. Auf Bundesstraßen sind es etwa 9.000. Untersuchungen zeigen, dass ab etwa 10.000 Fahrzeugen pro 24 Stunden die Straße eine unüberwindbare Barriere für viele Arten darstellt, selbst für große Tierarten wie Hirsch und Reh. Und: Beim Rothirsch ist bereits Inzucht nachgewiesen worden, weil die Tiere nicht mehr wandern können.
Für bedrohte Arten wie z.B. Fischotter ist die Straße sogar Todesursache Nummer eins.